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Tune X-SHUnen. LIBRARY FUND. |

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GESTIS. ALEXANDRI MAGNI. REGIS. MACEDONUM LIBRI QUI SUPERSUNT OCTO.

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à. CURTII RUFI

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GESTIS ALEXANDRI MAGNI REGIS MACEDONUM

LIBRI QUI SUPERSUNT OCTO.

Mit kritischen und exegetischen Anmerkungen, besonders zum Schulgebrauch, herausgegeben

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JULIUS MÜTZELL,

Doctor der Philosophie und Professor am Konig! Joschimsthalschen Gymnasium zu Berlin.

VERLAG VON DUNCKER UND HUMBLOT.

1841.

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Seinen verehrten Lehrern

dem Herrn Director und Professor Mund zu Elbing,

dem Herrn Professor Kelch zu Elbing,

dem Herrn Professor Buchner zu Elbing,

dem Herrn Regierungsrath Dr. Höpfner zu Danzig,

dem Herrn Professor Merz zu Elbing

in Liebe und Dankbarkeit zugeeignet

Julius Mätzell.

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Vorrede. .

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Als der Herausgeber im Sommer 1833 am hiesigen Werderschen Gym- nasıum und in den Jahren 1836 und 1837 an der Anstalt, der er gegenwärtig angehört, den Curtius erklärte, fühlte er lebhaft das Bedürfnies einer Aus- gabe, welche einerseits den Lehrer ım den Stand setzte, über die von Zempt gegebene Recension des Textes zu einem selbstständigen Urtheil zu gelangen, andrerseits die Lösung der obwaltenden sehr hedeutenden Sekhwierigkeiten critischer wie exegelischer Art durch Herbeischaflung des nöthigen Materials erleichterte. Es schien ihm nicht unmöglich, eine besonders mit Rücksicht auf jenes Bedürfniss angelegte Ausgabe in der Art zu arbeiten, dass dieselbe auch Schülern, sowohl der betreffenden Klasse, als vorgerücktern, namentlich zur Förderung des Privatfleisses und der Privatlectüre, mit Vortheil in die Hände gegeben werden könnte. Denn wenn auch die durch den ersten Zweck hin und wieder bedingte ausführliche Erörterung wissenschaftlicher Fragen im Detail für den Schüler augenblicklich entweder fast ganz oder ganz und gar unergiebig ist, so dürfte es doch für die gesammte geistige Bildung des- selben von wesentlichem Vortheil sein, wenn frühzeitig Blick und Sion für den Reichthum und die Bedeutung wissenschaftlicher Forschung geöffnet wird.

Der Herausgeber wendete sich der Aufgabe, -die er sich gestellt, mit um so grösserem. Eifer zu, je lebhafter von jeher sein Interesse für die critischen Probleme gewesen war, zu denen Schrift und Sehrifisteller Veruntassung geben, und je unwärdiger ihm die Behandlung zu sein selten, die der letztere nicht selten such in unseren Tagen erfehren.

|

T ' VORREDE.

Allein ein mehrjähriger Krankheitszustand unterbrach seine Arbeit und lühmte seine Kraft, so dass die festgesetzte Zeit nicht eingehalten werden konnte. Und selbst gegenwärtig würde er die Ausgabe nicht erscheinen lassen können, wenn ihm nicht durch die ausgezeichnete Humanität der hohen Be- hörden zur Schonung der wieder errungenen Kräfte eine wesentliche Ermässi- gung seiner amtlichen Thätigkeit vergönnt worden wäre.

Was den Text des Schriftstellers anbetrifft, so liegt die Recension von Zumpt zum Grunde, in der Art, dass, abgesehen von Orthographie und In- terpunction, nur diejenigen Stellen eine Aenderung erfahren haben, in denen eine solche durchaus unerlässlich schien. Der Herausgeber sieht voraus, dass sein Verfahren in diesem Punkt nicht allgemeine Beistimmung finden wird, indem Vielen eine durchgreifende Veränderung des Textes nóthig scheinen dürfte. Allein bei den Grenzen, die er sich stecken musste, war es besser, zu wenig als zu viel zu thun. Der Herausgeber wollte und konnte keine neue Textesrecension liefern. Nicht als wenn es ihm nicht möglich gewesen wäre, dem Text des Schriftstellers durch eine bedeutende Anzahl von Aenderungen ein verschiedenes Ansehen zu geben die Au- merkungen geben zum Theil den Beweis, in welchem Umfange dieses hätte geschehen können; sondern weil er der Ueberzeugung war und ist, durch ein auf unzureichende Mittel sich stützendes Verfahren der Art weder den Zwecken der Wissenschaft noch denen der Schule nützen zu können.

Nur wer im Besitze vollständiger und treuer Vergleichungen von einer guten Anzahl möglichst alter Handschriften wäre, und wer zugleich die noch dunkle Geschichte der ältesten gedruckten Texte aufzuhellen vermöchte, hätte nach des Herausgebers Ansicht das Recht, eine auf ein so bedeutendes Ma- terial gegründete und mit so viel Umsicht gearbeitete Textesrecension, als die von Zumpt, zu negiren und ein neues Gebäude ai die Stelle zu setzen.

Der Herausgeber konnte unter den alten Ausgaben von Belang nur folgende drei benutzen:

1) Hos novem Q. Curtii libros de rebus gestis Alexandri magni regis Ma- cedonum quam accuratissime castigatos ab eruditissimo viro Bartholomaeo Merula impressit Venetiis Ioannes. de Tridino alias Tacuinus. Anno MCCCCXCVI.. III nonas Decembris. fol. Allem Anschein nach ein ziemlich

VORREDE. HI

getreuer Abdruck der Originalausgabe von 1494, welche Freinsheim be- nutzt zu haben scheint. Vergl. dessen Einleitung Cap. II. D. 2. nach der Ausgabe von 1670. 4. Die in den Anmerkungen mit der Bezeichnung Mer. angeführten Varianten hat der Herausgeber selbst aus dem in der Königlichen Universitätsbibliothek zu Berlin befindlichen Exemplar der Ausgabe von 1496 a ichnet. Wo also seine Notizen gegen die Angaben bei Freinsheim oder Snakenburg streiten, da ist anzunehmen, dass entweder von Seiten dieser Männer ein Irrthum vorgefallen oder dass die Ausgaben Merula's unter sich verschieden seien. Das Verhältniss der Ausgabe Merula's zu den frühern ist noch nicht ganz aufgeklärt. Er selbst versichert in dem Dedicationsschreiben der Originalausgabe, welches in der von 1496 wieder abgedruckt ist: quo- niam in eo loca multa depravata offenderas, sntunxisti tu mihi, ut opus totum recognoscerem ac diligenter emendarem. (Quod eo libentius feci, quod. tibi ille est non modo voluptatem, sed etiam. doctrinam. allaturus non mediocrem. Est enim. Q. Curtius in scribendo. acutus, vehemens, candidus ac perquam eloquens. In concionibus enim, quas crebro. reperies, quantum ille ingenio et eloquentia valuerit, facile cognosces. ltaque collato vetere exemplari, multis et&am locis nostro marte castigatis voluntati tuae morem gessimus. Habebunt tua. causa. Alexandri rerum studiosi librum quam emen- datissimum. Es steht jedenfalls dahin, ob sich Zumpts hartes Urtheil recht- fertigen lässt Praef. p. XIL: nihil aliud fecit (Merula), quam quod hodie vel ignavi correctores in emendandis typographorum plagulis faciunt, ut errores aliquot nimis conspicuos ex principe editione (es ist die Veneta des Vindelinus Spirensis vom Jahre 1471 gemeint) tolleret, multo. plu- res relinqueret.

2) Quintus. Curtius. Venetiis in. aedibus. Aldi, et Andreae Soceri, mense Julio M. D. X. 8. Die in den Anmerkungen gegebenen Varianten aus Ald. sind vom Herausgeber selbst aus dem Exemplar der hiesigen Koniglichen Universitätsbibliothek ausgezogen, so dass auch hier abweichende Notizen bei Freinsheim und Snakenburg nicht gegen ihn zeugen können. Franciscus Asulanus durfte in der That den Curtius in dieser Ausgabe multis repurga- tum erroribus, restitutum, restauratum et quoad per nostras licuit. vires, emendatum nennen. S. dessen Vorrede in dieser Ausgabe. Der Text ist theils nach Handschriften, theils nach Coniectur, wobei in Betreff der Eigen-

. 1*

IV VORREDE.

namen Arrian treflliche Dienste geleistet hat, vielfach verbessert worden: nur muss man freilich seine Worte nach dem Maass und Geist jener Zeit auffassen.

3) Q. Curtis Rufi Historiarum Magni Alexandri Macedonis. Libri Octo, nove editi et recogniti a Francisco Modio. Colon. Agrspp. MDL XXIX. 8. Die zweite Ausgabe von Modius von 1591 konnte leider nicht benutzt werden. Ueber die Hülfsmittel, deren sich Modius bedient hat, bemerkt er selbst in der Praef. zu den Notis p. 2: etsi non indiligenter eum scriptorem olim cum manu exarato codice, quem abbatiae Thosanae aliquando fuisse liquet, contuleram, et postea ad alteras membranas, summi hu- tus urbis (der Brief ist zu Köln geschrieben) templi, cum earum usus beneficio humanissimi et eruditissimi D. Melchioris Hittorpti mili: hic nuper concessus esset, compararam: iamen et alia snsuper ad hanc rem adiumenta ezspecianda mihi esse statuebam —. Sed haec salubriter. destinata Materni Cholini tempestivae, intempestivae preces discusserunt: quippe Mc, ut primum, cupidus alioqui excudendi Curtium, aliquammulta in hoc auctore loca a me notata esse ex clarissimo I. C. Hieronymo Berchemio audivit, ita. me pro- &nus adortus est, ut missum facturus, nisi. totum Curtium. recognoscendum susctperem, non videretur. Omnes igitur vicinas bibliothecas, sicubi forte alia etiam etus scripta manu exemplaria, erui possent, diligenter exeutere (3) coepi. Sed frustra. Unum tandem Sigebergensis abbatiae misit ad me Carolus Utenhovius, Nieulandiae dominus, quo Franciscum. Fabritium olim usum esse atebat. Verum ab hoc utt adtutum me locis aliquot non nego, ia Colonienses membranae bonitate, quae tota fere in antiqui tate est, longe illi praestitisse non invitus profileor. Von besonde- rer Wichtigkeit ıst dabei eine spätere Mittheilung von F. Modius in den Novantiquis Lectionibus, Epist. XLI. bei Gruter Lampad. T. V, p. 109. 110: in bibliothecis abditis excutiendis is meus semper ardor fuit, ut et adolescens admodum nullis aut laboribus aut sumptibus parcerem, quin, quotquot ın Bel- gicae nostrae monasterus haberi vel fando audissem, diligentissime tpse oltrem, intentioreque cura. examinarem; et provecher aetate paulo ante, nihil ma- iore industria persequendum mihi existimavi, quam ut eorum. locorum, ad quae me fortuna mea detulisset, hoc in genere. thesauros. avidissime undtqee investigarem. Nec cessit sane infeliciter. utroque. tempore haec mihi, ut sta

VORREDE. Y

dicam, venatio. Eos enim ex ea fructus cepi, quorum me, si sapere volo, et omissis oculiferiis istis. bonis, ut appellat Seneca (nach Lipsius), in vera et so- hda haec inspicere, poenitere nequaquam debet. Praeter entm exustas apud nos bibliothecas oltm nobiliores Thosanam et Dunensem tn Flandria, Berttniensem in fano S. Audomari, et ad idem fanum Claremaressensem, metropolitanam Tungris, Lovantensium aliquot collegsorum, et Leodensium monasteriorum, prae- ter nuper lustratas Coloniae Agrippinae cum tn urbe ipsa eas, quae sunt metropolitanae ecclesiae, abbatiae S. Pantaleonis, collegit Laurentiant et Minoritarum, tum ad tertium fere aut quartum ab ea lapidem Sige- bergensem et Aysterbacensem: praeler has, inquam, et quas enumerare longum foret incredibili cum voluptate inspectas, eos praeterea ex singulis pluribusque aliis, ad quas aut belli furor am tum aditum non permittebat. apud. nos, aut alibi stineris mei ratio, libros, aut tpsorum abbatum praelatorumque et prae- fectorum singulari erga me studio aut virorum. amplissimorum quorundam mihi amicitia coniunctorum apud. eosdem. gratia, eos dico libros utendos im- petravi, ex quorum collatione et ad cusos comparatione, non parum videor mihi cum per me tpsum subinde, tum per alios, quibus de laboribus hoc in genere nosiris lubentissime pro (110) ipsorum instituto commodavimus et - commodamus saepe, 1n publicum profuisse. Ex his omnibus tamen nulla aeque conatus nostros adiuvit, atque ea, quae est in Metropoli- tana Coloniensium ecclesia, non tam librorum copia, qua Ber- tinienss longo intervallo cedit, aut bonitate, qua Bertintensis eadem fortasse (sint licet hi Colonienses codices ex potiori parte Caroli magni et primo aut certe altero ab illo seculo exarati) ipsi aequum nacta iudicem, non sit inferior, sed quod illa po- , tissimum volumina in Agrippina bibliotheca, exstarent, quae mazime faverent studiis meis. Da nun Modius sofort von seinen frühern Leistungen für Gurtius spricht, so darf man den Schluss machen, dass sein Coloniensis eben zu jenen treflichen alten Handschriften gehört, die er im Obigen rühmend erwähnt. Dieser Umstand ist um so wichtiger, als es aus der Vorrede von Modius erhellt, dass die Ausgabe desselben ganz beson- ders nach jenem Coloniensis gearbeitet ist, während der Thosanus und der Sigebergensis geringere Ausbeute gegeben zu haben scheinen; ein Verhültniss, welches aus den Mittheilungen von Zumpt, Walch und Orelli

VI VORREDE.

keinesweges hervorgeht. Denn diese erwähnen des Thosanus ganz und gar nicht, und stellen den Sigebergensis dem Coloniensis förmlich gleich, ja Zum pt nennt jenen sogar eher als diesen. Ueberdiess verdient es Beachtung, dass unter der reichen Sammlung von Verbesserungen, die Modius von seinem Freunde Janus Meller Palmerius empfangen zu haben bekennt, ein Theil handschriftlichen Ursprung zu haben scheint; we- nigstens sagt er p. 3: tot loca partim de collatione Curtii cum nescio quo olim scripto codice, parum de certissimis coniecturis emendata nobis subministrasse. Vergleicht man nun die Leistung von Modius mit dem Ausgezeichnetsten, was jene Zeit im Gebiet handschriftlicher Kritik geliefert hat, so muss das Urtheil über dieselbe im Allgemeinen sehr günstig ausfallen, und es scheint seltsam, dass eine so vorzügliche Arbeit so wenig Beachtung gefunden hat. Denn erst Zumpt hat die hohe Bedeutung derselben ‚zur Anerkennung gebracht. Allein die starken Abweichungen von der da- maligen Vulgata, die unleugbare Willkür, mit welcher Modius im jugendlichen Eifer (er nennt selbst seine Ausgabe des Curtius primos adolescentiae suae labores) nicht selten in der Behandlung critischer Schwierigkeiten verfahren, die eigenmächtige und eigensinnige Durchführung gewisser stilisti- scher Vorurtheile, und andere Dinge der Art waren zu auffallend, als dass sie nicht die damals etwas zaghafte Kritik besonders scheu hätten machen sollen. In der That kann man im Gebrauch dieser ohne Zweifel im Allge- meinen vortrefllichen Arbeit nicht vorsichtig genug sein, da in derselben die vorzüglichsten Lesarten mit den verwerflichsten, diplomatisch gesicherte mit völlig zweifelhaften gepaart sind. Nur unter Zuziehung eines zuverlässigen handschriftlichen Apparates kann demnach der Gebrauch der Ausgabe von wahrem Nutzen sein.

Leider wur der Herausgeber nicht so glücklich, zu dem Besitz eines solchen zu gelangen. Ihm waren nur die von Freinsheim, Snakenburg, Cunze, Schmieder und Lemaire gegebenen Variariten zugänglich; dagegen die Schätze der Florentinischen Bibliothek, deren Mittheiluug in der gróssern Ausgabe von Zumpt die gelehrte Welt noch immer vergeblich erwartet, und die der Berner, auf welche J. C. Orelli in den Jahrbüchern für Philologie und Pädagogik, Leipz. 1831. p. 45 bis 55 aufmerksam gemacht hat, blieben für ihn verschlossen.

VORREDE. vu

Der gegenwärtige critische Apparat ist ım Allgemeinen sehr un- zuverlässig und unzureichend.

Die Grundlage desselben bildet der Variarum in Curtium lectionum libel- lus, welcher sich in den Ausgaben von Freinsheim (Argentorat. 1640. 2 Voll. 8. und 1670. 2 Voll. 4.; die letztere ist von dem Herausgeber ge- braucht, da sie nach einer in der Vorrede ertheilten Versicherung in jenen Veris emendatior ist) vorfindet, aus demselben in viele andere Ausgaben, namentlich in die meisten holländischen cum notis variorum, übergegangen, und auch von Snakenburg in die cariantes lectiones seiner umfassenden Ausgabe (Delphis et Lugd. Bat. 1724. 4), jedoch nicht ohne wesentliche Ungenauig- keiten, verarbeitet ist. Ueber die Entstehung dieser Arbeit bemerkt Freins- heim in dem Vorwort dazu Folgendes: Exhibebimus nunc et Varias, ut amicorum opera nostraque indipisci eas licut. Ego enim editiones, quae sunt in manibus, comparavi: Conradus Schoppius, Bernatium rhetor, descripsit nobis variantes lectiones ab excellenti viro Ia- cobo Bongarsio ex suis codicibus ad Aldinum exemplar notatas. Quare monendus est harum litterarum studiosus, si quam in his Variis Aldi lectionem repererit, eandem esse et Bongarsiano- rum codicum, nisi nominatim dissentiant. Ioh. Adamus Schra- gius misit, quas Gruterus olim ad suum codicem contulerat, manuscriptorum differentias. Catalogus membranarum, quas Bon- gafsius et Gruterus viderunt, capite tertio prolegomenorum, quae notis his nostris praefizimus, exhibitus es. Eae his signis indicabuntur:

Pal. 1. 2. 3. Palatinus primus, secundus, tertius.

Pall. o. Palatini omnes.

D. Petri Danielis.

P. Petri Pithoe:.

Cl. Claudii Puteant.

F. Claudi Faucheti.

B. 1. 2. Bongarsianus primus, secundus.

(Diese Bezeichnung ist natürlich in den Anmerkungen beibehalten) In hts sunt quaedam, quae semel a principio monere visum est; idque Scoppii et Schragii verbis. Quorum ille in litteris ad amantissimum socerum meum (Bernegger) 1633 Berna missis: In descriptione Variantiarum non superstitiose nimis

vıu VORBREDE.

orthograplsam sum usquequaque persequutus minwularum syllabarum . In his talibus enim res Latias non putem. verti. Persaepe nullius co- dicis meminit (Bongarsius), unde variantia petita: ut vel con- iectura propria videatur, vel incuria. (Dazu macht Freiusheim die Bemerkung: hoe quoties factum. est, eam lectionem sta notamus: Bong., ut scias a Bangarsio esse, sive ab ipso, sive a codicibus eius). Animadver- tere quoque fuit, eum pluribus codicibus variantibus correctionem suam inter- posuisse. Negligentissinum aut mendosissimusp codicem comperi B. 1., quippe totas saepe pagellas omitentem. | Quaedam. etiam. typographica menda. seni restiluta. Cetera omnia, quanta, potus fide, repraesentant, ubi etiam scelerate mendosa agnoscerem. Hactenus Schoppius. Porro sciendum est has varias non esse collatas ad nostram hanc editionem, sed ad Elze- virianam novissimam, nempe quae 1633 excusa est. Damit ist die von Freinsheim in den Prolegomenis cap. 3. D. 2. b. mitgetheilte Notiz zu yerhinden, welche Gruter der von ihm und nach ihm angestellten Ver- gleichung von fünf Handschriften vorausgeschickt hatte: Comparare ooepi cum mss. quinque, quorum (res erant Palatinae bibliothecae, duo Bon- garsii, cuius meliorem voco Dan., quia fuerat aliquando Petri Danielis. Die 1 Ocobris 1602. Ianus Gruterus. Insututum illud deserui, sed multos annos post contulit hos libros cum iisdem mss. Isaacus Neve- letus Doschius (Pühaei nepos), cutus manus toto isto exemplari conspicitur. Nam ego illi. $uveni. facem. meam. tradidi, arbitratus. futurum, ut. ipse suo nomine ederet.

Was die von Bongarsius mit der Aldina verglichenen Codd. betrifft, so sind dazu ausser B. 1. 2. auch noch P. F. Cl. zu rechnen. Seltsamer Weise bemerkt zwar Zumpt Praef. p. XI. von dem cod. P.: unus Petri Py- thoei, cuius excerpta nescio unde nactus ibidem (in libello variantum lectionum Freinshemius) collegit. Allein der Irrthum ist augenscheinlich, da die Art, wie der cod. P. im Verhältniss zu den codd. Bang. häufig angeführt wird, éntschieden beweist, dass er zu diesen zu rechnen sei. Sa heisst es in dem Var. Lect. Lib, öfter, z. B, 4, 7, 29. 4, 14, 3. 4, 14, 14. à, 2, 20. 5, 13, J.: Bang, praeter P., oder es werden, wie 4, 8, 1, dem P. die osteri Bong. entgegengestellt; ganz so wie es z. B. bei B. 1. der Fall ist, s. var. lect. lib. 4, 8, 6. 5, 4, 30. 5, 11, 11. 5, 12, 4. 6,2, 3 u. s. w. Dasselbe lässt sich

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VORBEDE. IX

für cod. F. darthun; vergl. z. B. var. lect. lib. 5, 1, 44. 5, 13, 3. 8, 9, 31. Für Cl. ist ein ähnlicher Beweis zwar nicht zu führen, allein die ganze Art, in der diese Handschrift benutzt und angeführt ist, scheint für die obige An- nahme zu sprechen.

Die Brauchbarkeit der von Freinsheim mitgetheilten Vergleichung der Codices des Bongarsius ist leider nur beschränkt, namentlich gewährt dieselbe kein zuverlässiges Gesammtbild der einzelnen Bücher.

Nur die in dem variarum lectionum libellus von Freinsheim ausdrücklich aus den Codices des Bongarsius angeführten Les- arten darf man für glaubwürdig halten. Obwohl freilich zugegeben werden muss, dass beim ersten Aufzeichnen derselben, beim Copiren aus der Aldina, und beim Abdruck einzelne Versehen sich eingeschlichen haben kön- nen. Dagegen wäre es ein ungerechtes Vorurtheil, wenn man wegen der Notiz von Schoppius: persaepe nullius codicis meminit, unde variantia. petita, ut vel coniectura propria videatur vel incuria, und wegen der Bemerkung von Freinsheim dazu: hoc quoties factum est, eam lectionem ita notamus: Bong., ul scias a Bongarsio esse, sive ab ipso, sive a codicibus eius, die grosse Anzahl von Varianten, welche mit der Bezeichnung Bong. oder Bon. (zuweilen auch nur B.) erscheinen, mit Misstrauen behandeln wollte. Denn diese sind spáter fast sämmtlıch auch aus den Handschriften Snakenburg’s mitgetheilt, so dass man nur bei sehr wenigen, für welche keine anderweitige Autorität bisher bekannt geworden ist, allenfalls der Vermuthung Raum geben darf, dass sie von Bongersius selbst herstammen.

Dagegen ist man keinesweges zu dem Schluss berechtiget, dass die Codices des Bongarsius an allen den Stellen, an wel- chen aus ihnen keine Abweichung angemerkt ist, mit der Al- dina übereinstimmen. Offenbar hat Bongarsius, wie sorgfültig er auch oft verfahren, doch nicht immer eine gleichmässige Ausdauer über sich gewinnen können. Daher ist es gekommen, dass einzelne Partieen des Buches und einzelne Codices weniger genau behandelt worden sind. So ist Cl. nur zum dritten Buch und zum Anfang des vierten namentlich angeführt; so er- regen die eigenthümlichen Lesarten, welche aus F. zuweilen angemerkt sind, und welche auf eine sorgfältige critische Behandlung dieser Handschrift durch emen Grammatiker schliessen lassen, die Vermuthung, dass andere der Art

X VORREDE.

übergangen sind. Daher wird es wohl kein ungerechtes Misstrauen sein, wenn man schon aus diesem Grunde nicht überall, wo in dem variarum le- ctionum libellus keine Variante der codd. Bongars., sondern nur Ald. ange- merkt ist, der Versicherung Freinsheims Glauben beimessen móchte: monendus est harum litterarum studiosus, si quam in his Variis Aldi lectionem repererit, eandem esse et Bongarsianorum codicum, nisi nominatim. dissentiant. Dazu kommt eine eigenthümliche Ungenauigkeit, die wahrscheinlich Freinsheim beizumessen sein wird. Indem er nämlich die auf die Aldina bezügliche Ver- gleichung einer andern Ausgabe anpasste, scheint er zuweilen auch da, wo die codd. Bong. mit dem Text dieser Ausgabe übereinstimmten, die Lesart der Aldina in den Var. Lect. Lib. aufgenommen zu haben, so dass also die Augabe von Ald. bald auf die Uebereinstimmung mit den codd. Bong.. bald auf das Gegentheil zu deuten sein wird. Ueberdiess fehlt an manchen Stellen, bei denen eine bestimmte Notiz nóthig war, die Bezeichnung der Ald. sowohl als der Codd. des Bongarsius gänzlich, so dass man auch hier völlig unsicher ist. Endlich ergiebt der Unterschied der Lesart in der Aus- gabe von Freinsheim und der, welcher der Apparat angepasst ist, in den Stellen eine neue Schwierigkeit, zu denen gar keine Variante gegeben wird: denn es entsteht die Frage, ob dann wirklich sámmtliche Codd. die Lesart der letzteren geboten haben.

Das Verhältniss der Codices von Gruter ist zum Theil ähnlich, zum Theil noch viel ungüustiger. Nur der D. oder Dan., d. h. der codez Petri Danielis oder der bessere codez Bongarsii Gruterianus, und der Pal. 1. sind durchweg, und zwar mit ziemlicher Ausdauer und Genauigkeit verglichen. Dagegen der zweite codez Bongarsii Gruterianus, wel- cher im Var. Lect. Lib. zu 4, 7, 18: Bong., quem Gruter vidit, sonst Bong. Gruteri genannt ist, so wie Pal. 2. 3. sind nur am Ende des sechsten Buches (von 6, 7, 1 an) und am Anfang des siebenten, so wie ausserdem hin und wieder gebraucht. Dass die Vergleichung ur- sprünglich sich auf den Text der zweiten Ausgabe von Modius bezogen, ist von Snakenburg ermittelt. S. dessen Vorrede p. 3. Orelli,l c. p. 51 hat diesen Umstand übersehen. Uebrigens lässt sich gewiss für die von Gruter verglichenen Codices noch viel entschiedener die Behauptung aufstellen, dass nur die aus ihnen ausdrücklich ange-

VORREDE. XI

merkten Varianten glaubhaft sind, während ein Rückschluss aus dem Schweigen der Collation auf die Lesart der Codd. höchst misslich ıst. Will man ihn gleichwohl machen, so darf man nicht übersehen, dass sie in solchem Fall für die Autorität des Modius sprechen. Eine Frage von eigenthümlicher Schwierigkeit ist die, in welchem Ver- haltniss die beiden codd. Bongarsiam, deren Varianten Schoppius au Freinsheim sendete, zu den beiden codd. Bongarsianis von Gruter stehen. Freinsheim bemerkt darüber beiläufig in dem Var. Lect. libello zu 5, 9, 1: Ez plusculis eiusmodi argumentis coniecturam capio, eundem esse co- dicem, qui Bongarsio B. 2. et Grutero D. indigitatur.. Nihil tamen erti possum adhuc concludere. Bestimmter spricht sich hierüber Zum pt in der Praef. p. XIII. XIV. aus: libri Bongarsiani, nunc Bernates, quorum duplez instituta. est collatio, altera a Iano Grutero, qui duos se Bongarsii codices tractasse et meliorem. ex nomine prioris possessoris Petri Danielis lirum appellasse scripsit, altera (XIV) ab ipso Bongarsio in margine Al- dinge, qui libros suos modo numeris 1. 2. distinxit, modo nihil nisi variantem sripturam posuit. Inde factum est, ut in farragine Freinshemiana plerumque amu! utraque nota et Dan. et Bong. appareat, ac prorsus incertum sit, utrum wum librum an duos auctores habeas, praesertim cum idem Freinshemius in mdice praesidiorum criticorum tres. fuisse Bongarsianos codices. tradiderit. Equidem in hac dubitatione unum esse arbitror, Bongarsianum secundum, eundem Danielianum, qui optimis accenseri debeat. Orelli 1. c. p. 48 meint, dass diese Zweifel allerdings ohne Autopsie nicht beseitigt werden konnten. Allein so viel lässt sich doch wenigstens ohne Autopsie aus der Betrachtung der jenen Handschriften entnommenen Lesarten erweisen, dass so wenig der cod. D. als der cod. Bongarsii Gruterianus mit epem jener beiden codd. Bongarsiani identisch sein könne. Dass D. nicht dem B. 1. gleich sei, erweist zur gróssten Evidenz die Ver-

geichung weniger Stellen. D. B. 1. $1, 13: captus captum 4 1, 15: tdiorenum | idoxeum 5.4, 12: amicorum ex pr. coh. ex pf. coh. amicorum

quo ut introd.

xu VORREDE.

D. B. 1. 6, 7, 30: conspectu adspectu 6, 8, 53: cogeres fehlt 6, 8, 22: fehlt . meorum 6, 8, 25: regibus rebus 6, 9, 31: dicendi causam dicendae causae 6, 9, 32: orsus rursus 6, 9, 36: quo a quam a.

Dass ferner D. nicht mit B. 2. identisch sei, was Freinsheim und Zumpt besorgten, geht wohl aus folgender Nebeneinanderstellung genügend hervor:

Tit. d. 1. 3.:

4,

wo ww

3, 11, 19: 3, 12, 5: 3, 12, 11: 3, 13, 7: 3, 13, 15: 3, 13, 16: 4, 5, 5: , 9,13: ‚12, 16: 1, 43:

un PRE NN > OD

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pub o m-— EN C

l, 20:

D. Q. €. R. de gestis Alex. M. Reg. Mac. liber secundus incipit. imperat quae

1: tciam .10, 1: , 11, 15:

omnia quoque quae lamnarum

multa

circumuu

e caplivis

ingressae se

fehlt tolerare Ihropidis et Lecurates mil. et sescenta quandoque ad.

duos militum

ante ipsi

praeside esse

II similiter cum oo. talentis

: Susam

: vehementem : eonversum ; fortuite

B. 2. Curti Rufi hist. incipit hber tertius. imperat aeque etiam omnia quaeque quae laminarum tnulh circuit - ex captivis ingresse se fehlt frigus thropicles et lehicrates fehlt millia quado adit. 1I militum ante 1psos praeside eius II is militum cum talents Susa vehementer conversurum fortuito

D.

6, 4, 18: piscis in eo 6, 5, 26: tercents 6, 6, 7: his namque 6, 7, 12: tandem ut 6, 1,31: texit 6, 8, 22: fehlt 6, 8, 25: regibus 6, 11, 29: Parmenio 4, 1, 14: Antiphanetes i, 1,23: tnfectas 4, 2, 30: priores 4, 2, 36: admovit i, 3, 4: tnmdict cum rasura i, 4, 5: Exum i, 4, 6: Deas 4, 4, 8: modoratus 4, 4, 32: arıonum caurans

et Eriguus 7, 6, 10: Marupenta 4, 4, 4: propria i, 8, 23: eludat. Nos it, 9,20: Marecantum 4, 10, 8: se inimicos hostt fuisse 1, L1, 23: ad eos musus S, 2,25: Oxortan 8, 4, 13: etiam 8, 5, 5: esse maturum 8, 6, 23: acturos 8, 10, 12: Mempron, sed dispunctis

tera ei quarta. literis 8, 10, 14: segnunum, et suprascr. w et v:

8, 11, 2:

VORREDE.

seu germ. Aorinim

-

xui

B. 2. piscium in eo trecentis huncque fehlt tandem ter 1586

das, ducta per lit. d lineola snoderatus alonum Caurarus

et Eryguus Manupenta propriae eludi. At nos Maracantam in hostes, et supraser. i hostis admissus Exortan

si iam

est maturum auctores Memorem

seta geminum

XIV VORREDE.

D. B. 3. 8, 12, 5: permissusque permissique 8, 14, 41: quod quem 9, 1, 5: rhinocerontes rinocerotes et. suprascr. a: ri- nocerotas 10, 6, 24: pronunciantem praenuntiantem.

Man kónnte einwenden, dass ein nicht geringer Theil dieser Varianten nur scheinbar sei, indem dieselben möglicher Weise aus der verschiedenartigen Behandlung eines und desselben, nicht eben leserlichen Codex entstanden wären. Allein der Einwand kann schon darum nicht gelten, weil die Hand- schrift Daniels, welche noch gegenwärtig in Bern sich befindet, sehr genau und fehlerfrei in zierlicher Minuskelschrift geschrieben ist. S. Orelli l. c. p. 49. Ueberdiess lässt sich eine gute Anzahl Abwei- chungen nicht auf diese Weise erklären. Das ist freilich augenscheinlich, dass beide Handschriften sehr nah verwandt sind und einer Klasse angehören.

Auf der andern Seite kann nun auch cod. Bong. Gruteri nicht mit B. 1 identisch sein. Wenige Beispiele werden genügen:

Bong. Gruteri. B. 1. 6, 7, 13: se captum captum 6, 7, 17: quo introd. ut introd. 6, 7, 30: a conspectu adspectu 6, 7, 31: texisset texu 6, 8, 5: cogens fehlt 6, 8, 22: fehlt meorum

Dass endlich auch B. 2. nicht für cod. Bong. Gruteri angesehen werden dürfe, erhellt aus

Bong. Gruteri. B. 2. 6, 7, 17: ex pr. coh. ami. amic. ex pr. coh. 6, 8, 22: fehlt . meorum 6, 9, 2: cogit coget.

Aus dieser Auseinandersetzung folgt, dass wenigstens vier verschiedene Handschriften mit dem Namen des Bongarsius belegt werden, und dass man vollkommen berechtigt ist, die aus denselben gegebenen Varianten gesondert nebeneinander

VORREDE. XY

aufzuführen. Wenigstens kann gegen jenen aus der Beschaffeuheit der Codi. geführten Beweis nichts dadurch entschieden werden, wenn Freinsheim m den Prolegomenis cap. 3. D. 2. berichtet: in bibliotheca Iacobi Bon- garsii, quae nunc apud Bernates est, quindecim exemplaria sunt Curtii, quorum syllabum Berneggero socero meo. misit. Cunradus. Schoppius, rhetor Bernatis scholae: inter quae tria sunt Manuscripta, oder wenn Orelli L c. p. 48. 49. nachweist, dass gegenwärtig nur zwei vollständige Exemplare des Curtius in der Berner Bibliothek vorhanden sind. Denn Bongarsius konnte sich der andern wieder entäussert haben.

Dess der cod. D. mit dem in der Berner Bibliothek befindlichen codex N. 451. Sec. X. membr., den Orelli mit A. bezeichnet, identisch sei, ist am an- geführten Orte p. 49 ff. von demselben erwiesen. Der andere Berner Codex, N. 282. sec. XV. 4. fol. min. membr., bei Orelli C., stimmt zuweilen mit B. 1., allein er enthält wenigstens viele Lesarten, die aus B. 1. nicht ange- führt sind. S.1. c. p. 51. Die Aldina von Bongersius ist leider verloren.

Den bedeutendsten Zuwachs hat der critische Apparat durch Snaken- burg in der bereits erwähnten grossen Ausgabe 1724. 4. empfangen.

Zunächst erhielt Snakenburg, wie er in der Vorrede p. 3. 4 berichtet, aus dem Nachlass von I. Fr. Gronovius durch Abr. Gronovius: Modii editionem posteriorem, in cuius margine ipsius Gruteri manu rariae lectiones adnotaqae fuerant, quas ex hoc ipso libro doctissimum Schragium extraxisse etiam in fronte. libri meminerat; eas tamen cum editis contulimus, et ez $$s nonnullos errores illapsos correxi- mus, sed libro demum sexto inchoato, quo tempore in manus no- stras pervenit liber. Id scire iuvit, has variantes. lectiones ad Modii edi- tionem fuisse adscriptas. Die Ausbeute ist indess äusserst gering. Was für die Zwecke der vorliegenden Ausgabe dienlich schier, ist deu übrigen Varianten in Parenthese beigefügt worden. Vergl. zu 8, 11, 2. 8, 19, 18. 8, 25, 15. 8, 30, 6 u. s. w.

Viel wichtiger ist die Mittheilung der Varianten eines Codex Florenti- nus, welche Nic. Heinsius am Rande einer Venediger Ausgabe des Curtius minore forma (eine nähere Bezeichnung ist leider nicht gegeben) an- gemerkt hatte. Snakenburg bemerkt zu 3, 10, 6 p. 118 bei den Worten: viz gladio futurum opus etwas zweideutig: hinc incipit velustissimus

XVI VORREDE.

codez Cl. N. Heinsi procul dubio Florentinus. Wahrscheinlich ist es der antiquissimus bibliothecae Mediceae codex, den benutzt zu haben N. Hein- sius z.B. zu Vellei. Pat. 2, 29 p. 818 erwähnt. Demnach wohl kem an- derer als Flor. Plut. LXIV. N. XXXV. Sec, Xl. in. Vergl. Zumpt Praefat.

p. XVIL XVIIL. Die Handschrift gebórt zwar im Allgememen zu den bessten; -

seltsamer Weise aber giebt sie zuweilen offenbar Nachbesserungen, so dass sie dann mancher Handschrift von geringerer Bedeutung untergeordnet wer- den muss. So sind 8, 10, 16 p. 639 die Worte omnes se repente bei Leid. Voss. 1. 2. D. Bong. in homines serpente, bei Pal. 1. in hom. serpen ver- schrieben, wo der librarius des Flor. homines serpentes herauskünstelte. Viel- leicht ergiebt sich, dass Heinsius die Lesarten mehrerer Codd. ohne weitere Sonderung angemerkt batte. Die Vergleichung des cod. Flor. oder der codd. Flor. mt übrigens mcht ganz vollständig, und aus dem Schweigen Snaken- burgs kann in diesem Punkt um so weniger mit Sicherheit geschlossen wer- den, als das Verhältniss des Textes jener Veneta zu Freinsheim unbekannt ist. Die Bezeichnung dieser Handschrift bei Heinsius und Snaken- burg: FL ist in der vorliegenden Ausgabe der Deutliehkeit halber in Flor. verwandelt worden. ' .

Von höchster Bedeutung endlich sind die drei von Snakenburg selbst verglichenen Handschriften:

1) Leidensis, nach Praef. p. 2.: coder quadrata forma antiquissimus, optimae notae, charactere paullum obsolescente ;

2) Vossianus L, nach Praef. p. 2: antiquus sane et minime negligen- dus; und

3) Vossianus IL, der, wie es pag. 2. 3. heisst, recentiori manu sine indicibus, tum siglis etiam et. syllabis contractis aetatem. suam. non multum remotam prodebat.

Bei der Vergleichung dieser Handschriften. versichert Snakenburg darnach gestrebt zu haben, ut suam quoque in minimis diligentiam et attentionem probaret ac testatam faceret. Der Augenschein lehrt, dass diese Versicherung im Allgemeinen keine trügerische sei. Allein zu viel behauptet doch Zumpt Praef. p. XIV, wenn er von Snakenburg urtheilt: tam religiose cum textu Freinshemiano contulit, ut nihil. amplius. latere videatur. Der Herausgeber hat mehrmals Gelegenheit gefunden, nachzuweisen, wo Snakenburg es on

_ VORREDE. xvin

Vollstándigkeit der Vergleichung oder an Genauigkeit bei Mittheilung seiner Arbeit hat fehlen lassen. Namentlich ermnert er an die Verwechselung der Notizen für Voss. 1. und Voss. 2., und an den Umstand, dass man über die Lesart von Voss. 2. nicht selten im Unklaren bleibt. Demnach dürfte in Stellen, in denen aus dem Schweigen Snakenburgs ein Schluss auf die Auto- rität dieser Handschriften zu machen ist, doch immer Vorsicht zu empfeblen sein. Dass eine der früher erwähnten Handschriften mit einer von Sna- kenburg identisch sei, ist nicht glaublich, wenigstens nicht erweisbar. Allein mit mehreren besteht die innigste Verwandtschaft. So zwischen D. und Voss. 1. Vergl. z. B. 6, 5, 9 p. 416, wo beide statt se ipsos oder ipsos se haben: ipsos sem. Und noch augenscheinlicher zwischen Pal. 1. und Voss. 2., welche theils in den auffallendsten Verderbnissen übereinstimmen (vergl. 9, 8, 9 p. 724: circa Musadis statt Parapamisadis), theils so differiren, dass man bald Pal. 1. für älter halten möchte, als Voss. 2., bald umgekehrt.

Die übrigen handschriftlichen Notizen, die sich an einigen we- nigen Stellen in den Varianten bei Snakenburg zerstreut finden, ver- dienen keine besondere Beachtung, da man über ihre Herkunft ganz im Dunkeln bleibt. So heisst es 6, 5, 11 zu invicta manu: Ms. p.: invita; 9, 8, 23 zu adituque facilis: Ms. p. L.: facili, wo Mod. Voss. 1. überein- stimmen; 9, 9, 14 zu idem ac unum: Ms. p. L.: idem atque unum, wo Pal. 1. D. dasselbe geben.

Die Ausgabe von N. E. Lemaire (Q. Curtius Rufus ad codices Parisinos recensitus cum varietate lectionum. 3 Voll. 8. Paris. 1822—1824) verspricht bei weitem mehr als sie leistet. Es heisst zwar Vol. 1., Praef. p. XLV. XLVI: Textum ad fidem codicum regiae Parisinae bibliothecae recen- sui; vartasque lectiones, si quid dignum videbatur, quod memo- rarem, notis ipsis adiunzt. Duos praecipue, qui inseripti sunt 5111. 5118, anüquissimos quidem. et valde inter se similes integros legi. Ambo multas lectiones referunt ts, quas dant Vossiam 1 et 2, Bongarsianus, Palat. ' 1. 2. in editione Snakenburgiana, admodum consentaneas. Quasdam ex his lectionibus in textum recepi, quem ad fidem codicum redi- gere et omnibus coniecturis quam mazime liberum habere volut. Allein schon die letzten hervorgehobenen Worte lehren, in welcher Beschrän- kung die viel versprechenden Worte des Anfangs und der Titel zu fassen seien.

u

KVul VORKEDE.

in der That hat sich Lemaire darauf beschränkt, eme verhältnissmässig ge- ringe Anzahl von Lesarten der bessern Handschriften, meist nach Schmie- der's Vorgang, in den Text aufzunehmen, wobei indess auch allerlei Werth— loses mitunter gelaufen ist. Aber auch die Versicherung, dass er die beiden Codd. Paris. ganz (integros) gelesen habe, muss ihm im Eifer der Vorrede entschlüpft sein. Die ganz unvollständige und unregelmässige Mittheilung der Varianten erweist mindestens aufs Entschiedenste, dass nur wenige Abschnitte des Buches in den Codd. ganz gelesen sind, und dass Lemaire sich gewöhnlich darauf beschránkt hat, an den kritisch schwierigen Stellen jene nachzuschlagen. Dabei ist es oft geschehen, dass über die unsichersten und verfänglichsten Stellen hinweggelesen ist, in so fern die Nachhülfe der Herausgeber den Scha— den verdeckt hatte, So kann denn aus dem Schweigen Lemaire's niemals irgend ein Schluss abgeleitet werden. Zumpt, welcher aus den Codd. Paris. 5716. 5717. 5718 lib. 7, cap. 5 und 6 für sich vergleichen liess, bemerkt praef. p. XIX, ihm scheine cod. 5718 identisch mit dem cod. Pithoei bei Freinsheim. Auch nach Lemaire's Notiren stimmt einzelnes überein; so haben beide 4, 7, 19 savigiorum spoliis copiosa statt n. sp. quaestuosa; 6, 4, 6: triginia et trium. statt decem. et trium; 8, 2, 20: duo millia statt II oder duobus millibus; 8, 6, 18: mentis statt mentes. Allein. dergleichen könnte auch aus nur verwandten Codd. hervorgehen. Völlige Sicherheit würde sich bei der eigenthümlichen Beschaffenheit des P. bald erlangeu lessen; denn er ist reich an neueren Comiecturen und weicht in. der Wortstellung oft we- sentlich ab.

Wenn der Herausgeber noch hinzufügt, dass er auch die Varianten, die Rader (s. dessen Prolegg. c.,3) hin und wieder aus einem codex Con- stantiensis angiebt (denn die beiden Bavarici, die er noch benutzt hat, und die, wie jener, späterhin nach Rom gekommen sein sollen, sind wohl nirgends ausdrücklich angeführt) ferner die einzelnen aus Handschriften geschópften Notizen von Gronov, Barth, Davis, Wensch benutzt hat, so hat er da- mit ungefähr Alles bezeichnet, was er selbst unmittelbar von dem bisherigen kritischen Apparat ausbeuten konnte. Dagegen sind ihm die Varianten des codex Theocrenianus, welche sich am Rande der editt. Gryphianae von 1588 und 1597 befinden, sowie die in dem Musei Oxoniensis litterarii con- spectus, Oxon. 1792. 8. (s.